Angedacht

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Andacht zur Jahreslosung

von Pfarrer Andreas Otto, Brunsbrock im Januar 2018

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Freibier für alle!“ Das ist kein Angebot von mir, sondern mit diesem Spruch wurde im 19. Jahrhundert ein Volksaufstand beendet.
Der im Volk unbeliebte König Ludwig I. (nicht zu verwechseln mit Ludwig II.!) hatte durch sein autoritäres Wesen, die Affäre mit der irischen Tänzerin „Lola Montez“ und die Schließung der Universität das Volk gegen sich aufgebracht.
Am 4. März 1848 stürmten wutentbrannt Bürger mit geklauten Waffen zum königlichen Palast und fingen an die Fenster einzuwerfen. Sie wollten ihre Freiheit haben und diesen König loswerden.
Was machte der König? Er ließ seinen Bruder kommen, der wiederum im Volk sehr beliebt war, und durch ihn verkünden: „Freibier für alle!“ Es wurde an alle Bier umsonst ausgeschenkt!
Und tatsächlich: Der Aufstand „verflüssigte“ sich. Die Menge brachte sogar einen Großteil der Waffen wieder zurück, die sie vorher geklaut hatten. In die Geschichte ist dieser Aufstand als „Bierrevolution“ eingegangen.
König Ludwig I. war damit dem Tode entgangen und hatte sich durch das Freibier das Leben zurückgekauft. Den Menschen aber, die ihn angreifen wollten, war das vermutlich egal. Ihnen war das Bier dann doch wichtiger als ein toter König und ihre Freiheit!

Wir merken: Alles hat im Leben irgendwie seinen Preis – auch die Machterhaltung und es gibt nichts umsonst.
Wie oft flattern bei mir Werbeprospekte mit Gratisgeschenken ins Pfarramt und dahinter steckt meistens ein Haken: Entweder sie sind nichts wert oder aber man soll dadurch geködert werden, dass man irgendwo etwas unterschreibt und am Ende mehr Geld ausgibt, als man für das eine kleine Gratisgeschenk bekommen hat.

Nun bietet uns Gott für das Jahr 2018 auch etwas umsonst an. Es ist kein Freibier, sondern Wasser, denn er sagt:

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Gibt es da auch einen Haken? Oder ist das vielleicht am Ende doch nichts wert? Wasser bekommen wir doch überall und immer. Selbst im Restaurant bekommt man manchmal Leitungswasser umsonst. Hätte Gott sich nicht etwas Besseres einfallen lassen können als uns ausgerechnet „Wasser“ umsonst zu geben? Ich stelle mir vor, wie König Ludwig I. ausrufen lässt: „Frei-Wasser für alle“. Nach einem kurzen Stutzen, wäre der Mob vermutlich noch aufgebrachter gewesen...

Doch mit diesem Wasser will Gott auf viel mehr hinweisen als nur die Flüssigkeit, die aus der Leitung kommt.

Gott will unseren Durst stillen. Unseren Durst nach Leben, unseren Durst nach Sinn und Ziel unseres Lebens.
Gerade am Jahreswechsel merken wir, wie schnell die Zeit vergeht. Nicht wenigen geht es so, dass wir denken: Haben wir uns nicht erst vor Kurzem zum Neujahrsnachmittag hier getroffen? Und schon wieder ist ein Jahr um. Mit was für sinnlosen Dingen haben wir das letzte Jahr verbracht, wie viel Zeit vertan… Und wie viele Menschen merken nach einer durchzechten Silvesternacht, dass am nächsten Morgen der Durst doch nicht gelöscht ist...

Ich behaupte: Jeder von uns hat Durst. Nicht nur nach Getränken, sondern Durst im Leben nach Freiheit, nach Frieden, nach Leben.
Beim sogenannten „Bieraufstand“ gaben sich die Menschen mit Bier zufrieden, dabei wollten sie eigentlich „Freiheit“ haben. Freiheit von der Bevormundung des Königs und was machten sie? Sie haben ihren Durst mit Bier gestillt. Und kurze Zeit war er wieder da: Der Durst.
So machen wir Menschen das immer wieder: Wir füllen unseren Lebensdurst mit anderen Dingen. Hier ein Schluck, da ein Schluck.

Jesus sagt im Johannesevangelium ein ähnliches Wort über unseren Lebensdurst und spricht damals zu einer Frau an einem Brunnen. Er bemerkt zum Wasser aus dem Brunnen

„Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Johannes 4, 13f)

Warum sagt Jesus das zu dieser Frau? Weil sie ihren Lebensdurst damals dadurch versucht hat zu stillen, indem sie mehrere außereheliche Beziehungen hat. Davon nimmt sie immer wieder Schluck für Schluck und merkt, dass das am Ende den Durst nicht gestillt hat, sondern sie nur durstiger werden lässt.
Und so versuchen viele von uns ihren Durst zu stillen durch Anerkennung, durch Arbeit, durch Hobbies, durch Karriere, durch eine Aktivität nach der anderen usw. und sind doch im Leben eigentlich nie zufrieden.
Jesus will uns etwas im neuen Jahr mitgeben, was den Durst stillt. Er „durchschaut“ unser Leben. Er sieht, dass wir – bewusst oder unbewusst – Sehnsucht nach erfülltem und ewigem Leben haben.
Er erkennt unseren Durst nach Vergebung und Frieden, unseren Durst nach Halt und Geborgenheit, unseren Durst von jemanden geliebt und angenommen zu sein, unseren Durst nach Heil und Ewigkeit.
Ja, Jesus gibt mir Wasser, das es sogar mit dem Tod aufnehmen kann, denn wenn ich von diesem Wasser trinke, das Jesus mir gibt, dann werde ich eines Tages nicht erst in diesem Leben mit ihm zusammen sein, sondern im Himmel bei Gott nach diesem Leben.
Wo es dieses Wasser gibt? In jedem Gottesdienst wird dieses Wasser ausgeteilt – völlig gratis. Es sprudelt aus dem Wort der Bibel, Christus tränkt mich damit im Heiligen Abendmahl, wo ich mit IHM Gemeinschaft habe.

Doch eine Einschränkung mache ich zum Schluss: Das Wasser gibt es gratis für uns, aber ganz umsonst ist es nicht! Wir müssen nichts dafür bezahlen, aber Gott selbst hat sich dieses Wasser etwas kosten lassen. Sein Sohn Jesus Christus ist dafür in den Tod gegangen, damit wir dieses Wasser bekommen, das unser Leben heil werden lässt.
Was für ein großartiges Angebot - nicht nur für das Jahr 2018. Lasst uns doch davon immer wieder kosten und uns davon erfrischen und stärken lassen im neuen Jahr. Amen!

 

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