23. Brunsbrocker Abend im Müllerhaus – Bischof Voigt aus Hannover zu Gast

Rund 40 Interessierte waren der Einladung zum 23. Brunsbrocker Abend  am 25. Oktober um 19.30 Uhr ins Müllerhaus gefolgt. Pastor Otto hatte den Bischof der SELK, Hans-Jörg Voigt, aus Hannover eingeladen, der zum Thema „500 Jahre Reformation - was gibt´s denn da zu feiern?“ referierte.
Er berichtete, wie auf einer Wanderung der Jura-Student Martin Luther von einem Gewitter überrascht wird, der aus Angst und Verzweiflung schwört: „Wenn ich das überlebe, werde ich ein Mönch und gehe ins Kloster.“ Mit diesem Schritt beginnt er ein anderes Leben. Im Kloster in Erfurt begegnet er Johann von Staupitz, der ihm den Weg zu Jesus Christus zeigt.
„Was muss ich tun, damit ich selig werde?“, fragte sich Martin Luther.
Die Lösung fand er im Römerbrief des Paulus, dass man nur gerecht durch den Glauben wird und nicht durch besondere Werke und schon gar nicht durch den Kauf von Ablassbriefen. Damit begann die Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche, die diesen Ablasshandel forcierte.
Luther entdeckte den gnädigen Gott, der nicht die Menschen unbarmherzig straft, sondern sie annimmt, mit ihren Ängsten und Schwächen. Jeder Christ, der ehrlich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld.
Aus diesen Überlegungen heraus, erfolgte dann der Thesenanschlag 1517 an die Schlosskirche in Wittenberg und später auch andere Kirchen.
Interessant war der Hinweis, dass es Wissenschaftler gibt, die nicht von 95 sondern von 87 Thesen sprechen.

Nach der „Entführung“ auf die Wartburg am 4. Mai 1521 verfasste Luther viele Schriften, von denen er selbst später einmal sagte: „Nach meinem Tode werden viele neue Bücher hervorbringen, die anders interpretiert werden“.
Bischof Voigt sagte: „Die entscheidenden und nicht zu hinterfragenden Arbeiten Luthers sind die Lutherischen Bekenntnisschriften und nicht jedes Wort, das Luther irgendwo irgendwann einmal gesagt hat.“
Weiter ist für die lutherische Kirche die Wiederentdeckung der Sündenvergebung in der Beichte ein zentraler Bestandteil des Glaubens, die es besonders im Reformationsgedenkjahr 2017 wieder zu finden gelte.
Auf die Eingangsfrage seines Vortrages „500 Jahre Reformation - was gibt es da zu feiern?“, sagte Bischof Voigt zusammenfassend und prägnant: „Wir feiern Jesus Christus.“
In der anschließenden Diskussion ging es u.a. darum, in wieweit die intensive Beschäftigung mit dem Reformationsjubiläum die Christenheit gestärkt hat und neue Anregungen für das Miteinander (Ökumene) gegeben hat.
(Lieselotte Winkelmann)