27.11.2015 Brunsbrocker Abend

 „Flüchtlinge - (k)ein Problem?!“

Die St. Matthäus-Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) hatte für den 27. November zum 19. "Brunsbrocker Abend" ins örtliche Müllerhaus eingeladen, diesmal zum Thema "Flüchtlinge -(k)ein Problem?!". Viele interessierte Gemeindeglieder sowie Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung gefolgt. Als erster Referent nahm Pfarrer Andreas Otto von der Brunsbrocker SELK-Gemeinde aus Sicht der Kirche Stellung und zeigte mit überzeugenden Beispielen aus der Bibel, dass Flucht ein uraltes Phänomen sei und keine neuzeitliche Erscheinung darstelle. Er betonte, dass sich immer wieder für Kirche und Gemeinden vor Ort neu die Frage stelle, wie man konkret der Not vor Ort abhelfen könne, auch in Bezug auf die Flüchtlingsfrage. Dabei sei es erstmal nicht interessant, welche Religion, Hautfarbe, Nationalität oder Gründe für die Notlage der Bedürftige habe. Es gehe darum, Nächstenliebe zu üben, auch wenn der Bedürftige kein Freund sei oder nicht zur Familie gehöre.
Das Wissen darum, dass alle Menschen nicht dauerhaft auf dieser Erde leben würden, und der christliche Glaube, der darauf vertraue, nach diesem Leben "Asyl" bei Jesus Christus zu bekommen, lasse die gegenwärtige Situation der Flüchtlinge persönlich näher kommen, so Otto.

Adrian Mohr, Mitglied des Niedersächsischen Landtags, stellte die Flüchtlingssituation aus Sicht der Politik dar. Der Landkreis Verden arbeitet zusammen mit der Caritas und anderen kirchlichen und karikativen Einrichtungen, um den Flüchtlingsstrom zu organisieren.
Mohr bestätigte, dass im Zuge der Direktzuweisungen durch das Land im Wege der Amtshilfe für Helfer und Hauptamtler die Belastungsgrenze vielfach erreicht sei. Der anhaltend starke Zustrom von Menschen sei auf Dauer eine Überforderung. Insbesondere mit Blick auf folgende Schritte der Integration und der Wohnunterbringung. Eine leichte Entspannung dieser Lage wäre eine kürzere Bearbeitungszeit der Asylanträge, damit die Menschen zügiger einen Schritt in ein neues Leben machen und diejenigen ohne Bleiberecht in ihre Heimat zurückgeschickt werden könnten. Mohr sprach sich zudem für einen kontrollierten Zugang nach Deutschland durch intensiveren Schutz der Bundesgrenze aus. Der
Abgeordnete dankte allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ohne die es nicht möglich sein würde, den zu uns kommenden Menschen zu helfen. Die Unterbringung der Flüchtlinge in Turnhallen könne nur eine vorübergehende Lösung sein, so Mohr.

Adrian Giele, Projektmitarbeiter für das Netzwerk katholisches Familienzentrum St. Josef Verden, machte die Zuhörenden mit seiner täglichen Arbeit unter Flüchtlingen vertraut. In einem Willkommenscafé, initiiert von der Propstei St. Josef in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, hätten Flüchtlinge die Möglichkeit, mit Helferinnen und Helfern ins Gespräch zu kommen, die deutsche Sprache zu erlernen und an Praktikumsplätze zu kommen. Allerdings seien die Möglichkeiten noch lange nicht ausreichend, da in den Unterkünften auch Langeweile herrsche und viele Flüchtlinge traumatisiert und orientierungslos seien. Giele setzt sich daher mit den Mitarbeitenden dafür ein, Bildungsangebote und Praktika zu erweitern und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, um die Menschen in das gesellschaftliche Leben zu integrieren. Außerdem werde in diesem Netzwerk auch darauf geachtet, dass die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bei ihrer Arbeit unterstützt werden, damit sie sich nicht selbst überfordern und an der Arbeit resignieren.

In der anschließenden sehr sachlichen Diskussion, die von Dr. Hans-Heinrich Winkelmann, Gemeindeglied der St. Matthäus-Gemeinde, geleitet wurde, äußerten die Zuhörenden ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit Flüchtlingen. Diese waren überwiegend positiv, wobei es auch vereinzelt Negativbeispiele gab, bei denen sich Flüchtlinge undankbar und allzu fordernd zeigten. Diese Ausnahmen sollten aber nicht überbewertet werden. Jeder Mensch sollte in Frieden ein menschenwürdiges Leben leben dürfen, unabhängig von seiner Hautfarbe oder von seinem Glauben. Trotzdem sollten Ängste nicht ignoriert werden, schon aus Verantwortung für die Willkommenskultur in Deutschland.
Nach einem Bericht von Lieselotte Winkelmann, Brunsbrock