Die Kirchgebäude

1. Die Matthäus-Kapelle auf dem Badenhoop’schen Hof 

(Das Gebäude links im Bild mit den Pferdeköpfen am Giebel und den Spitzbogen- Fenstern)

„Im August des Jahres 1879 erweckte der Herr in einem Bruder unserer Gemeinde, den Halbmeier Badenhoop den Sinn, eine Kapelle auf seinem Hofe zu bauen, und derselbe fing am 12. August des Jahres mit Gottes Hilfe an und am 5. November 1879 konnte die Kapelle dem Herrn zu seinem Gebrauche übergeben werden“.

So heißt es im „Jahresbericht der freien luth. Matthäus-Kapelle zu Brunsbrock“.

Im Frühjahr 1879 waren sechs Familien aus der Landeskirche ausgetreten (siehe unter „Geschichte der Gemeinde“). Sie feierten ihre Gottesdienste zunächst in Holtum, ab August 1879 im Hausflur der Familie Badenhoop in Brunsbrock. Die Gemeinde war inzwischen auf ca. 60 Glieder angewachsen. Ihre Freude war natürlich sehr groß, als „Vater Badenhoop“ ihnen die Kapelle zur Verfügung stellte!
In der Einweihungshandlung, die der damalige Präses der „Hannoverschen ev.-luth. Freikirche“, Pastor Theodor Harms aus Hermannsburg vollzog, erhielt die Kapelle den Namen „Matthäus-Kapelle“. Gleichzeitig konstituierte sich die Gemeinde und nahm den Namen „St. Matthäus-Gemeinde“ an.
Die nötige „Ausrüstung“ der Kapelle, wie Abendmahls- und Taufgeräte, Kruzifix, Altarbibel (sie liegt übrigens heute noch auf dem Altar in unserer Kirche), Leuchter usw. wurde teils gekauft, teils gestiftet.

Bei größeren Veranstaltungen konnte eine angrenzende Scheune, die durch zwei Fensteröffnungen mit dem Gotteshaus verbunden war, mit benutzt werden.
Am 18. August 1880 feierte die Gemeinde ihr erstes Missionsfest, vormittags in der Kapelle, nachmittags unter den Eichen auf dem Hof der Familie Badenhoop. Seither feiert die Gemeinde alljährlich ihr Missionsfest – auch als Zeichen dafür, dass in dieser Gemeinde Mission nicht nur eine Angelegenheit einiger weniger „Missionsfreunde“ ist, sondern Sache und Aufgabe der ganzen Gemeinde.

Am 9. November 1888 bestellte die Gemeinde bei der Firma Otto in Hemelingen eine neue Glocke. Schon am 21.12.1888 konnte sie in einem neu erbauten Glockenturm aufgehängt werden. Heiligabend 1888 wurde sie zum ersten Mal geläutet (Gewicht: 933 Pfund, Ton: As, Inschrift: „Kommt, denn es ist Alles bereit“, Kosten: 1.200. – Mark plus 376.- Mark für den Glockenturm). Diese Glocke läutet heute noch im Turm der jetzigen Kirche.

Ostern 1894 konnten zur Freude der Gemeinde, auf Grund einer Stiftung, neue kostbare Abendmahlsgeräte eingeweiht werden. Auch sie sind heute noch in Gebrauch.
23 Jahre lang diente diese Kapelle der Gemeinde als Gottesdienststätte. Inzwischen bot die Kapelle für die gewachsene Gemeinde nicht mehr genügend Platz. Sie war auch stark reparaturbedürftig geworden. Außerdem wurde der Platz dringend für die Bewirtschaftung des Hofes gebraucht.
So wurde schließlich der Bau einer neuen Kirche beschlossen.

 

  

2. Die St. Matthäus–Kirche  (Lerchenstr. 5) 

Der bisherige Pastor Christoph Meyer hatte im Oktober 1900 aus Gesundheitsgründen sein Amt niedergelegt. Sein Nachfolger wurde Pastor Ahlert Dierks. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit wurde auf einer Gemeindeversammlung am 13.Januar 1901der Bau einer neuen Kirche beschlossen. Pastor Meier, der die Grundstein-Urkunde verfasst hat, berichtet dort von einigen Spenden für den Neubau schon in den 1890er Jahren. Weiter heißt es dort:

„sodann haben zu Anfang dieses Jahres der Altenteiler J.H. Badenhoop und die Witwe Badenhop aus Armsen diese Sache wieder angeregt und zusammen 1.000,– Mark geschenkt zum Bau einer neuen Kirche hier.
Darauf wurde dann auch im Januar dieses Jahres von der Gemeinde der Bau einer neuen Kirche beschlossen und ausgeführt, wozu der Hofbesitzer Georg Rosebrock den Platz schenkte.“

Zimmermeister Hinrich Nordhausen aus Sottrum erstellte den Aufriss und übernahm die Zimmerarbeiten, Maurermeister Wilhelm Moltrup aus Walsrode die Maurerarbeiten.
Die Kirche ist 18m lang und 11m breit, der Turm an der Nordseite ist 3,5m lang, 4m breit und 18m hoch (alles Außenmaße).
Mit den drei Emporen, an beiden Seiten und hinten, hatte die Kirche ca. 400 Sitzplätze.
99.000 Backsteine und 4.000 Dachziegel wurden für den Bau benötigt.
Das Holz zum Bau wurde von den Hofbesitzern Rosebrock, Badenhoop und Dierks  (Riekenbostel) geschenkt.
Das Heranschaffen der Baumaterialien sowie die Handlangerdienste wurden unentgeltlich geleistet. Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde hatten willig weitere finanzielle Opfer gebracht: in den Jahren 1901 und 1902 insgesamt 8.882,– Mark. Die Gesamtkosten des Baues betrugen: 11.096,– Mark.

Schon am 16. April 1902 konnte die neue Kirche, in Anwesenheit einer großen Festgemeinde, eingeweiht werden. Nach einer bewegenden Abschiedsfeier in der alten Kapelle zog die große Gemeinde „unter Posaunenschall“ zur festlich geschmückten neuen Kirche, der Ortspastor und die Kirchenvorsteher trugen die „heiligen Geräte und Bücher“. Den Weiheakt vollzog Pastor Chr. Meyer, die Festpredigt hielt der damalige Präses Wöhling.250_Kirche_vor_1962

„Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth“ und „Ich habe lieb die Stätte deines Hauses“ sang der Sängerchor der Gemeinde und brachte damit zum Ausdruck, was die Herzen vieler bewegte.

Inmitten des ersten Weltkrieges wurde der Gemeinde eine gebrauchte, einmanualige Orgel mit 6 Registern, ohne Pedal für 1.400,– Mark (plus 600,– Mark Umbaukosten) angeboten. Da infolge des Krieges viele junge Gemeindeglieder eingezogen wurden und der Posaunenchor nicht mehr in der Lage war, den Gemeindegesang zu begleiten, wurde der Orgelkauf von allen begrüßt. Am 15. Juli 1917 wurde sie eingeweiht.
1948 wurde diese Orgel mit einem Pedal versehen und 1976 gründlich renoviert und erweitert (2 Manuale und drei zusätzliche Register). Gesamtkosten 57.500,– DM, davon ca. 10.000,– DM für das neue Gehäuse. Am 16.7.1978 wurde diese praktisch neue Orgel eingeweiht.

1956/57 wurde der große Kirchenofen durch eine elektrische Heizung (Infrarot-Strahler unter den Bänken) ersetzt. Das brachte für den langjährigen Küster und „Heizer“ Heinrich Drewes eine erhebliche Entlastung und für die Gottesdienstbesucher warme Füße!

Mittlerweile bedurfte aber auch das Gotteshaus insgesamt einer gründlichen Renovierung. Das Kirchendach war an vielen Stellen schadhaft, der Innenraum musste unbedingt neu gestrichen und auch neu gestaltet  werden.
Nach einer ca. zweijährigen Planungsphase, in der Kirchenvorstand und Bauausschuss in vorbildlicher Weise die ganze Gemeinde mit einbezogen, fasste die Gemeindeversammlung bei nur einer Stimmenthaltung am 6.12.1959 folgende Beschlüsse:

1. Die Decke im Innenraum der Kirche wird gewölbt.
2. Die Seitenemporen werden entfernt.
3. Die Sakristei wird hinten im Kirchenschiff eingebaut.
4. Die Orgel- und Chor-Empore wird freitragend errichtet.
5. In die südliche Giebelwand wird ein größeres Altarfenster eingebaut.

 Die Bauleitung wird Zimmermeister Heinrich Nordhausen übertragen.
Auswärtige Fachleute, wie z.B. Oberbaurat Stallmann (Stuttgart) und Architekt Dipl. Ing. Becker (Verden) hatten wertvolle Hinweise für die Gestaltung gegeben. In den nächsten Wochen wurden nun zügig weitere Einzelheiten beraten und beschlossen (Altar, Kanzel, Taufstock, Mittelgang und Seitengänge, Türen, Emporenbrüstung usw.).
Schon im Januar 1960 wurden die einzelnen Gewerke ausgeschrieben.
Am 7.2.1960 beschließt die Gemeindeversammlung einstimmig die Ausführung des Bauvorhabens. Die amtliche Baugenehmigung wurde am 2.3.1960 erteilt.

Osterdienstag den19.4.1960 beginnen die Umbauarbeiten, am 13. August konnten sie abgeschlossen werden. Dass innerhalb von 4 Monaten dieser größere Umbau durchgeführt werden konnte, ist schon beachtenswert. Möglich war das nur, weil vorher in der Planungsphase alles, was den Umbau betraf, geklärt und genau festgelegt werden konnte und alle Handwerker dann auch Hand in Hand aufgrund einer gut durchdachten und straffen Organisation durch Heinrich Nordhausen ihre Arbeiten durchführten.
In einem bewegenden Gottesdienst konnte dann die neu gestaltete Kirche, die nun immerhin noch etwa 200 Sitzplätze bietet, inmitten einer großen Festgemeinde am 14.8.1960 eingeweiht werden.

 

Die "Verdener Allerzeitung" schrieb damals:

"Von außen ist mit Ausnahme der neuen Dachpfannen, dem Altarfenster und einer zur Straße führenden, jetzt zugemauerten Seitentür nichts von den Renovierungsarbeiten zu sehen. Wer aber das Gotteshaus betritt, wird feststellen, dass der Kirchenraum ein ganz anderer geworden ist. Der Raum erstrahlt in einer angenehmen Lichtfülle und scheint weit und hoch zu sein. Hell und leuchtend überdecken die Sonnenstrahlen das sehr fein und geschmackvoll gestaltete bunte Altarfenster. Je nach Beleuchtung strahlt dieses „Sonnenfenster“ in immer wieder anderen Farbtönen über den vor ihm stehenden Altar….
Die Veränderungen schufen ganz neue Licht- und Sichtverhältnisse. Von jedem Platz der Kirche ist der Pastor bei allen seinen gottesdienstlichen Handlungen gut zu sehen. Auch die Akustik ist angenehm.“

Die Gesamtkosten des Umbaues betrugen: 43.822,– DM.
Auch in den Folgejahren hat die Gemeinde nötige Reparaturen und Verbesserungen zügig vorgenommen:

1983 wurde eine neue Kirchentür eingebaut.
1993 erfolgte eine komplette Kirchturm-Sanierung.
1999 wurde der Kirchvorplatz neu gestaltet.

Zu den beiden letzten Vorhaben gab es erhebliche Zuschüsse aus einem Dorferneuerungsprogramm des Amtes für Agrarstruktur und vom Amt für Denkmalspflege.

„Gehet zu seinen Toren ein mit Danken,
zu seinen Vorhöfen mit Loben;
danket ihm, lobet seinen Namen!“

Diesen Spruch (Psalm 100, Vers 4) haben die Väter unserer Gemeinde über de Seitentür der Kirche geschrieben. Diese Tür (auf der Straßenseite der Kirche) war als Haupteingangstür gedacht. Sie wurde im Rahmen des Umbaues im Jahre 1960 zugemauert. Nur die Marmorplatte mit dieser Inschrift befindet sich noch an der alten Stelle. Selbst viele Gemeindeglieder wissen gar nichts mehr davon. Dabei haben unsere Väter sicher ganz bewusst gerade diesen Vers als Geleitwort ausgewählt.

Wenn wir die Kirche betreten, wenn wir zum Gottesdienst kommen, kann unsere Grundhaltung nur die sein: Dankbarkeit !

Dankbar für alle Wohltaten, für alle Behütung und Bewahrung, die Gott der Herr uns jeden Tag aufs Neue hat zuteil werden lassen –"ohn all mein Verdienst und Würdigkeit“;
Dankbar für allen geistlichen Segen, für allen Trost und alle Stärkung;
Dankbar für die Erfahrung seiner Gegenwart, auch in den dunklen Tälern des Lebens;
Dankbar vor allem dafür, daß wir durch Jesus Christus Gottes Kinder sein und in seiner Gnade geborgen das ewige Leben erwarten dürfen;
Dankbar dafür, dass auch wir – von unseren Vätern her – einen „Vorhof“ haben, einen Vorhof des himmlischen Heiligtums, wo uns immer wieder das ganze Heil in Jesus Christus angeboten und ausgeteilt wird: Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit.

Daran wollen wir uns gern von unseren Vätern erinnern lassen!