Seelsorgepraktikum

Pfarrvikar Otto absolvierte Praktikum im Bereich der Seelsorge – Ein Rückblick

Wie im letzten Gemeindebrief bereits angekündigt, absolvierte ich vom 6. bis 29. Mai 2013 das im Pfarrvikariat vorgesehene Praktikum im Bereich der Seelsorge im Diakoniekrankenhaus Rotenburg. Es fand unter der Aufsicht von Pastor Rolf Hirte statt, der in früheren Jahren Pfarrer in der Domgemeinde Verden gewesen war und nun seit etwa 7 Jahren in einem Team mit drei anderen Seelsorgern im Rotenburger Krankenhaus arbeitet.

Nach einem Einführungsgespräch begann meine Arbeit auf den Stationen 3 und 8 (Chirurgische und Innere Station), auf denen ich in diesen Wochen unterwegs war. Krankenhausseelsorger werden selten zu einem Krankenbett gerufen, sondern bieten in den meisten Fällen den Besuch spontan an. Somit klopfte auch ich jeden Tag an den verschiedenen Türen, betrat das Zimmer und fragte, ob ich den Patienten einen Besuch abstatten dürfte, was in den meisten Fällen auch bejaht wurde.

Auch wenn ich über die einzelnen Gespräche keine Auskunft geben kann, so lässt sich allgemein sagen, dass meine ersten Zweifel, wie man wohl immer wieder mit wildfremden Menschen ins Gespräch kommen könnte, schnell beseitigt wurden. Menschen sind als Patienten im Krankenhaus in einer besonderen Situation, die sie vermutlich weit offener für tief greifende Gespräche machen als an anderen Punkten ihres Lebens. Es gab nicht wenige, die sich darüber Gedanken machen, dass sie ihr Leben nicht selbst in der Hand haben und von gewissen Faktoren abhängig sind. Gesundheit ist ein kostbares Gut, das nicht selbstverständlich ist, sondern ein großes Geschenk. Und vor allem: Mein Leben ist endlich! Eine Erkenntnis, die man im gesunden Zustand nur allzu oft verdrängt. Vielleicht waren es Einsichten wie diese, die viele Gespräche schon nach wenigen Minuten sehr tiefgründig werden ließen.

Natürlich gab es auch die Erfahrung, dass manch einer keinen Gesprächsbedarf hatte oder man sich schlichtweg über die Fußballergebnisse des letzten Wochenendes unterhielt. Die Gesprächsthemen werden von den Patienten „vorgeben“, sodass meine vorrangige Aufgabe nicht darin bestand, Menschen zu missionieren, sondern den Patienten zuzuhören, einen Stück ihres Weges mitzugehen, sie zu begleiten und einfach Zeit für sie zu haben, was im Krankenhausalltag ein kostbares Gut ist. Wo sich das Gespräch auf Gott ergab, waren das besondere Momente, in denen wir darüber sprachen, welche Hoffnung der christliche Glaube für dieses Leben und das Leben nach dem Tod hat. Manch einer winkte hier schnell ab, andere hingegen waren sehr offen für diese neue Perspektive und dankbar, wenn sie hören konnten, dass Gott uns Menschen gerade in den dunklen Tälern des Lebens nicht alleine lässt.

Über die Gespräche wurden im Nachhinein punktuell sogenannte „Gesprächsprotokolle“ geführt, die dann mit Pastor Hirte zusammen ausgewertet wurden. Besonders deutlich wurde mir hierbei, dass zum Beruf des Krankenhausseelsorgers doch auch eine Menge an Erfahrung dazugehört. Von Dienstag bis Donnerstag endeten die Tage jeweils mit einer Abendandacht in der Krankenhauskapelle.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich diese drei Wochen nicht missen möchte. Sie haben mir erneut deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass wir die frohe Botschaft von Jesus Christus hören und wie dankbar wir dafür sein können, dass er uns die Gewissheit schenkt, dass uns nichts trennen kann von seiner Liebe, weder Leid, Kummer oder Krankheit. Ich habe in den vielen Gesprächen etliche neue Erkenntnisse gewonnen und eine Menge gelernt, was mir hoffentlich auch für die Gemeindearbeit weiterhelfen kann.

An dieser Stelle sei besonders Pastor Voß, Pastor i.R. Neddens, sowie Pastor Peter Rehr und Propst Johannes Rehr für die Vertretungsdienste in dieser Zeit gedankt!

Pfarrvikar Andreas Otto