2015 Missionsfest

„Individualisierung macht die Mission schwieriger“

Kirchengemeindenfest in Brunsbrock mit Vortrag von SELK-Bischof Hans-Jörg Voigt
Chor „Young Voices“ freut sich auf Afrika

„Ist die Mission ein Auslaufmodell?“ So lautete das zentrale Thema beim gemeinsamen Missionsfest der St.-Matthäus-Kirchengemeinden Brunsbrock und Stellenfelde, der Zionsgemeinde Verden und der Immanuel-Gemeinde Rotenburg der Selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche (Selk).

Diesen kurzweiligen Vortrag, der ein durchweg positives Echo fand, hielt Selk-Bischof Hans-Jörg Voigt. Die Frage nach der Mission als Auslaufmodell beantwortete der Bischof mit einem deutlichen Nein.
Der Auftrag von Jesus Christus aus dem Matthäusevangelium gelte immer noch, dahinter steckten aber noch andere Fragen: Was hat sich geändert? Wo liegen die Chancen der Mission heute und wo würden die Aufgaben der Kirche liegen? Ein Problem sei es, dass Menschen sich immer mehr als Einzelwesen sähen und diese Individualisierung die Mission sowie die Ausbreitung des Evangeliums schwieriger machte. Auch die zunehmende Ökonomisierung der Gesellschaft sei der Mission hinderlich, so Voigt weiter.
Diesen Zwängen unterlägen die Kirche und die Mission wie in einem mittelständischen Betrieb ebenfalls: Immer weniger Leute müssten die gleiche Arbeit tun. Einerseits sei das zwar logisch, aber andererseits hindere das die Ausbreitung des Evangeliums. Hinzu komme, dass Mission sich nicht mechanisieren lasse wie zum Beispiel die Ernte auf den Feldern. Schließlich komme es durch die Beschleunigung der Information in der Gesellschaft zu einer Reizüberflutung, auch das Leseverhalten und die Konzentrationsfähigkeit hätten sich geändert. Dadurch sei es in diesen Tagen nicht leicht, sich mit dem Lesen in der Bibel und dem Wort zu beschäftigen.
Die Chancen der Mission heute seien aber nicht schlecht, denn die Lebensbezüge der Menschen seien ebenso wie die Antworten der Heiligen Schrift unverändert. Weiter befruchte der kulturelle Austausch die Mission, die auch durch die modernen Transport-, Reise und Kommunikationsmöglichkeiten sehr viel leichter geworden sei als in vergangenen Jahrhunderten. Die Tatsache, dass in diesen Tagen viele Fremde notgedrungen kämen, sei eine große kulturelle Herausforderung, nicht nur für Deutschland, sondern eine Chance für die Mission. Die Projekte in Leipzig, Steglitz, in Braunschweig und in vielen weiteren Selk-Gemeinden würden davon Zeugnis geben.
Den Festgottesdienst zum Abschluss des Missionsfestes gestaltete der Jugendchor „Young Voices“ aus Verden, der zur Konzertreise nach Südafrika verabschiedet wurde. Der Chor sang einige der Lieder, die für diese Tour einstudiert wurden.

Text und Bild sind der Verdener Aller Zeitung vom 29.Juli 2015 entnommen. Das Missionsfest fand am 19.Juli.2015 statt.
Autor und Foto: Harald Röttjer