2016.11.05 Erste Luthernacht in Brunsbrock

Kinder erleben den Reformator hautnah

„Ein großes Lob ans Team. Unserem Sohn hat es bei der Luthernacht super gefallen.“
Mit diesen Worten meldete sich eine Mutter bei Andreas Otto, Pastor der St. Matthäus-Gemeinde Brunsbrock, der dieses Lob gleich an das gut 8-köpfige Team weitergab.
Zur ersten Luthernacht ließen sich 25 Kinder aus der Umgebung einladen und starteten am Samstag, dem 05.11.2016, um 17.00 Uhr in der abgedunkelten Kirche ins tolle Abenteuer. Nachdem ein paar Lieder gesungen worden waren, konnten die Kinder im Alter von 6-11 Jahren auf einmal Regen und Donner über die Lautsprecherboxen hören. Martin Luther kam durch den Mittelgang und die Kinder erlebten, wie der Reformator aus Todesangst heraus, Gott das Versprechen gab, ein Mönch im Kloster zu werden, damit er ihm gnädig sei.
Nachdem im Gemeindehaus von den Kindern und Mitarbeitern Pizzaböden ausgerollt und belegt sowie Bratäpfel vorbereitet worden waren, setzte sich das Anspiel in der Kirche fort:
Im Kloster angekommen versuchte Luther seine Angst vor Gott endlich loszuwerden, aber begann diesen Gott, der den Sünder am Ende straft, zu hassen. So fragte er seinen Beichtvater Johann Staupitz um Rat, der ihn darauf hinwies auf das Kreuz Jesu zu schauen. „Nicht Gott ist zornig mit dir, sondern du bist zornig mit Gott“, so die Antwort Staupitz'. Darüber musste Luther nachdenken und begab sich an das Studium der Bibel.
Währenddessen gingen die Kinder wieder ins Gemeindehaus und starten nach dem Abendessen mit dem Bedrucken von Geschenkpapier per Kartoffeldruck, bastelten Laternen mit der Lutherrose, zeichneten ein Porträt des Reformators für den Familiengottesdienst auf einer Stellwand nach und konnten über den Beamer spielerisch Weiteres über das Leben von Martin Luther erfahren.
Gegen 21.00 Uhr begann dann die Nachtwanderung mit einem weiteren Anspiel in der Kirche: Der Dominikanermönch Johann Tetzel verkaufte seinen Ablass an einen Bürger, der sich freudestrahlend begleitet von den Kindern mit Fackeln, Taschenlampen und Laternen durch den kleinen Ort Brunsbrock machte.
„Guck mal, da kommt ein Verrückter“, war auf einmal zu hören, als man in der Ferne einen Mann mit Talar und Gelehrtenhut die Straße heraufkommen sah. Es war allerdings der Reformator Luther, der dem Bürger zornig den Ablassbrief aus der Hand nahm, weil man sich Gottes Gnade nicht mit Geld erkaufen könne. Die Kinder setzen die Nachtwanderung fort, bis sie schließlich an ein Haus kamen. Dort saß in einer dunkeln Vorhalle im Kerzenschein der Reformator zu später Stunde und studierte den Römerbrief aus der Bibel, in dessen Verlauf er erkannte, dass der Mensch vor Gott aus dem Glauben und Vertrauen an Jesus Christus gerecht wird, weil Gott in Jesus für die Sünde der Menschen bezahlt hat. Er erkannte, dass Gott aus lauter Gnade und Barmherzigkeit die Menschen gerecht macht.
Auch wenn es historisch umstritten ist, wann Luther diese Erkenntnis gehabt hat, machte sich der Reformator gleich darauf auf den Weg zur St. Matthäus-Kirche und hämmerte seine 95 Thesen als Diskussionsgrundlage an die Kirchentür. Nach dem gemeinsam gesprochenen Abendsegen Luthers gingen alle Kinder ins Bett.
Der Familiengottesdienst am nächsten Morgen wurde maßgeblich von den Kindern und Mitarbeitern durch Gebete, Lieder und eine biblische Lesung gestaltet.
In einer Anspielpredigt fing auf einmal eine Bibel an zu sprechen, die auf dem Altar lag und von lauter Lutherbildern verdeckt worden war. Als sie sich darüber beschwerte, wurde deutlich, dass es in der Kirche nicht um die Person Luther gehen dürfe. Zudem wurde in Frage gestellt, ob dem Reformator der ganze Hype um seine Person, die man im Moment erleben könne, gefallen hätte.
Jesus Christus, der dem Menschen Frieden mit Gott am Kreuz schenke und Gottes Wort müssten im Lutherjahr im Mittelpunkt stehen. Das sei auch dem Reformator ein Herzensanliegen gewesen.
So bekam die Gemeinde in der Predigt einige Hilfestellungen für die Bibellektüre zu Hause mit auf den Weg.
Das Kirch-Café im Anschluss an den Gottesdienst rundete das Wochenende ab. Dankbar zeigte sich Otto für die vielen Mitarbeiter, die tatkräftig mit angepackt haben.