Das Kirchenjahr

In jedem Jahr werden wir auf unserm Lebensweg vom Kirchenjahr begleitet.
Es beginnt  am  ersten Advent, ist also dem bürgerlichen Jahr vorgeschaltet. Damit soll zum Ausdruck kommen, daß es im Kirchenjahr um Wichtigeres geht  als im bürgerlichen Jahr, nämlich um die großen Heilstaten Gottes, die uns die Heimkehr zu ihm ermöglichen. Oder anders gesagt:
“Was für den christlichen Glauben grundlegend ist, kehrt jedes Jahr wieder: in der Erinnerung, in der Feier, in den Liedern und Bräuchen. So hat das Kirchenjahr seinen eigenen Rhythmus im Jahreslauf“.
  

Das Kirchenjahr beinhaltet drei Festkreise: Weihnachtsfestkreis, Osterfestkreis und Pfingstfestkreis. Das Thema des Weihnachtsfestkreises (Advent, Weihnachten und Epiphanias) ist das Kommen Gottes in diese Welt: „Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute“. Dieser Festkreis wird mit dem „Letzten Sonntag nach Epiphanias“  abgeschlossen.

Das große Thema des Osterfestkreises ist das Sterben und die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Das Osterfest ist das älteste christliche Jahresfest und gilt als Höhepunkt des Kirchenjahres. Gefeiert wird es immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, also frühestens am 22. März. Dem entsprechend gibt es mehr oder weniger Sonntage „nach Epiphanias“ und  „nach Trinitatis“. 

Eröffnet wird der Osterfestkreis mit der „Passions“- oder „Fastenzeit“. Sie ist dem Gedächtnis an das Leiden und Sterben Jesu Christi gewidmet.
Sie beginnt mit dem Aschermittwoch. Vorangestellt sind der Passionszeit drei hinführende und vorbereitende Sonntage, mit den lateinischen Namen: Septuagesimae , Sexagesimae und Estomihi.
Dabei bedeuten die Namen Septuagesimae der 70. - gemeint ist der 70. Tag vor Ostern, das ist aber nur eine ungefähre Angabe, genau genommen ist es der 63. Tag, Sexagesimae der 60. Tag und Estomihi bedeutet übersetzt: „Sei mir“.
Der Sonntagsname ist hier, wie auch bei den folgenden Sonntagen in der Passionszeit, jeweils das erste Wort des lateinischen
Eingangspsalms im Gottesdienst.

 

Die Fasten- oder Passionszeit

Wie sehr das Kirchenjahr auch heute noch unser Alltagsleben bestimmt, wird uns besonders in diesen Wochen deutlich. Trotz aller Säkularisierungen ist das öffentliche Leben immer noch durch christliche Sitten und Gebräuche geprägt: Aschermittwoch – Fastenzeit. Manches ist freilich verloren gegangen.

Der Aschermittwoch, mit dem die vierzigtägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest beginnt, hat seinen Namen von dem Aschenkreuz, das seit dem Mittelalter in der römisch-katholischen Kirche den Büßern auf die Stirn gezeichnet wird. Die Asche ist Sinnbild für die Vergänglichkeit alles Irdischen und ein Zeichen der Buße, der Umkehr. In den folgenden 40 Werktagen bis Ostern wurde gefastet; die Sonntage wurden als Erinnerungstage an die Auferstehung Christi ausgenommen. Die Zahl 40 ist in der Bibel von besonderer Bedeutung: 40 Tage, 40 Jahre – immer sind es Zeiten der Vorbereitung und der Läuterung, von denen dort berichtet wird.

Das Fasten ist ein schon in der Urgemeinde geübter Brauch, der aus dem Judentum übernommen wurde. Sein Grundgedanke ist der, die Besinnung auf die entscheidenden Dinge des Lebens auch in leiblicher Zucht und Enthaltung wirksam werden zu lassen. Dabei ging und geht es nicht darum, sich Verdienste vor Gott und Ansehen bei den Menschen zu erwerben, sondern um innerlich frei zu werden von falschen und belastenden Bindungen und schuldhaften Verstrickungen.

So verzichten viele Menschen gerade in den Wochen vor Ostern ganz bewusst auf das, woran sie sonst hängen: zum Beispiel auf Alkohol, auf Süßigkeiten, auf fragliche Lebensgewohnheiten oder auf übermäßigen Fernsehkonsum. Mit ihrem Fasten wollen sie sich von liebgewordenen Gewohnheiten und gefährlichen Abhängigkeiten befreien, um wieder offen und sensibel für Gott zu werden, für die tatsächlichen eigenen Bedürfnisse, sowie für den Mangel und die Nöte anderer.

Die Aktion „7 Wochen ohne“ möchte zu solch einem Fasten Mut machen!

Das Programm „7 Wochen mit“ möchte darüber hinaus dazu einladen, die gewonnene innere Freiheit und Sensibilität für Gott nicht brach liegen zu lassen, sondern zu füllen mit einer intensiven Besinnung und Beschäftigung mit Gottes Botschaft an uns. Und die lautet in diesen Wochen: Jesus Christus ist für uns den Weg des Leidens, den Weg ans Kreuz gegangen, um uns frei zu machen von allen unheilvollen Lasten, von Schuld und Sünde, damit wir „nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“.

Die Passionsandachten in unseren Kirchen laden in den folgenden Wochen  zu einem solchen Nachdenken und Gedenken an die Passion Christi ein.

 

Die Karwoche und das Osterfest [1] 

Mit dem Palmsonntag (Palmarum) treten wir ein in die Karwoche. „Kar“ kommt von dem althochdeutschen „chara“, was soviel wie Trauer, Leid und Klage bedeutet. In dieser „Stillen Woche“ wurden früher keine schweren körperlichen Arbeiten verrichtet, keine Prozesse geführt, keine Schulden eingetrieben, aber z.B. auch - wie in der ganzen Passionszeit - keine Hochzeiten gefeiert. Tanzveranstaltungen und andere öffentliche Vergnügungen waren nicht erlaubt. Bei den Mahlzeiten, vor allem an Karfreitag, wurde auf Fleisch verzichtet.

Der Name „Palmsonntag“ erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, bei dem Palmzweige auf die Straße gestreut wurden. In manchen Gegenden, vor allem in katholischen Gemeinden, werden auch heute noch Palmprozessionen durchgeführt.
Palmbuschen und andere grüne Zweige, die Kirchen und Häuser schmücken, sind ein – vorweggenommenes - Sinnbild für den Triumph des Lebens über den Tod. 

Ursprünglich war Ostern nicht nur das Fest der Auferstehung Jesu, an diesem Tag wurde auch des Leidens und Sterbens Jesu gedacht. Beides bildete den unteilbaren Inhalt der Osterfeier und umfasste so insgesamt das Geheimnis unserer Erlösung.
Ab dem 4. Jahrhundert wurden, zunächst in Jerusalem, die Passion Jesu und sein Tod am Kreuz dem Karfreitag zugeordnet, um die Christusgeschichte sozusagen historisch nachzuvollziehen. Schon bald sprach man von den „heiligen drei Tagen“:
Karfreitag als Tag des Leidens und Sterbens Jesu; Karsamstag als Tag der Grabesruhe; Ostersonntag als Tag seiner Auferstehung. Die oft gestellte Frage, welches das höchste und wichtigste Fest der Christenheit sei, Karfreitag oder Ostern,ist damit beantwortet: beides gehört zusammen, das eine ohne das andere macht keinen Sinn.

Da nach jüdischem Brauch der neue Tag bereits am Vorabend um 18 Uhr beginnt, wurde der Gründonnerstagabend mit in die heiligen drei Tage einbezogen: der abendliche Gottesdienst erinnert an die Einsetzung des heiligen Abendmahles. Der Name „Gründonnerstag“ leitet sich wahrscheinlich von dem mittelhochdeutschen Wort „gronan“ (= weinen, greinen) ab. Ursprünglich wurden an diesem Tag die öffentlichen Büßer („Weinende“) wieder in die volle kirchliche Gemeinschaft aufgenommen, sie durften wieder am Abendmahl teilnehmen.

In manchen Gemeinden wird bis heute auch der Brauch der Fußwaschung gepflegt. Christen waschen, wie es von Jesus selbst berichtet wird, einander die Füße als Zeichen der Demut und des Dienstes am Nächsten.
Wegen des Bezuges auf das heilige Abendmahl ist die liturgische Farbe des Gründonnertags weiß.
Der Karfreitag ist in der christlichen Kirche vermutlich von Anfang an mit Fasten und Beten begangen worden. Der Gottesdienst wurde in schlichter Form gefeiert, im Mittelpunkt stand die Besinnung auf den Tod Jesu. An diesem Tag schwiegen die Glocken, auch die Orgel und der Posaunenchor. Der Altar blieb ohne Kerzen, Blumen und anderen Schmuck. Die liturgische Farbe ist schwarz oder violett.
Leider sind viele dieser hilfreichen Gebräuche der Karwoche als Folge der Säkularisierung in den Gemeinden weithin aufgegeben worden.

 [1]  Quellen: Evangelisches Gottesdienstbuch, Lutherisches Verlagshaus, 2001
                   Evangelisches Gesangbuch (Ausgabe für Bayern) 

Das Osterfest, das älteste christliche Fest, hat für uns eine zentrale Bedeutung, weil Gott an diesem Tag Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Er hat damit Ja gesagt zu dem Opfertod, den Christus für uns gestorben ist, um unsere Schuld zu sühnen und uns Vergebung, Leben und Seligkeit zu ermöglichen. Das Wort Jesu am Kreuz „es ist vollbracht“ wird hier von Gott bestätigt.
Zwischen Karsamstag und Ostersonntag, meist in den frühen Morgenstunden, wird in den Kirchengemeinden die Osternacht als Übergang zwischen Tod und Leben gefeiert. In der alten Kirche wurde die Osternacht zugleich als großes Tauffest begangen. Besonders beeindruckend sind diese Osternachtsfeiern auch heute noch in der orthodoxen Kirche (Rußland).
Die liturgische Farbe der Osterzeit ist weiß, die Farbe des Sieges, des Lichtes und der Freude.
Um das Fest der Auferstehung herum hat sich ein vielfältiges Brauchtum entwickelt, das immer den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit, der Wärme über die Kälte, des Lebens über den Tod zum Inhalt hat. Zu diesem Brauchtum gehört das Verschenken von gefärbten Eiern als Zeichen für werdendes und nach dem Tod verheißenes Leben.
Mit dem Osterfest beginnt die 50tägige österliche Freudenzeit, in der die Christen der Erscheinungen des Auferstandenen gedenken. In den Kirchen brennt während dieser Zeit in allen Gottesdiensten die Osterkerze, die in der Osternacht erstmals entzündet wurde.

 

Die österliche Freudenzeit 

Sie umfasst, genau genommen, 40 Tage und endet mit dem Himmelfahrtsfest (die letzten 10 Tage bis Pfingsten mit dem Sonntag Exaudi gehören schon zum Pfingstfestkreis, stehen aber auch noch unter der Osterfreude). Die liturgische Farbe ist weiß.

Es ist Freudenzeit: 40 Tage lang hat sich Jesus Christus seinen Jüngern als der Lebendige erzeigt nach seinem Leiden in mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen und redete mit ihnen vom Reich Gottes (Apostelgeschichte 1, 3). Das begann schon am Ostertag selbst, als er den beiden Emmausjüngern die großen Zusammenhänge zwischen dem Alten Testament (der „Schrift“) und seinem eigenen Leben erklärte:
„Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen die ganze Schrift aus, was darin von ihm gesagt war“ (Lukas 24, 26.27). Sie sollten nicht im Ungewissen bleiben über Jesus und sein Leben, damit sie seine Zeugen sein können in der Welt.
 

Die Sonntagsnamen sind - wie in der Passionszeit - ebenfalls nach den ersten Worten des lateinischen Eingangspsalms im Gottesdienst gebildet.

Quasimodogeniti ( = wie die neugeborenen Kinder )
auch der „weiße Sonntag“ genannt: in der frühen Kirche nahmen die in der Osternacht Getauften in ihren weißen Taufkleidern an den täglichen Gottesdiensten der Osterwoche teil. Sie wurden hier in ein tieferes Verständnis der Sakramente eingeführt. Am Sonntag nach Ostern legten sie diese Taufkleider wieder ab.  Schon bald nach der Reformation wurde in vielen evangelischen Gebieten aus diesen Zusammenhängen heraus dieser Sonntag zum Konfirmations-Sonntag.

Miserikordias Domini ( = die Barmherzigkeit des Herrn )
auch der „Hirtensonntag“ genannt, stellt uns Jesus als den guten Hirten vor Augen (Johannes 10, Psalm 23). Der gute Hirte, der nicht sich selbst weidet, sondern aus Liebe und Barmherzigkeit seine Herde, das Verlorene sucht und das Verirrte zurückbringt. Sein Leben läßt er für die Schafe.

Jubilate ( = Jauchzet )
„das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“. Der Eingangspsalm (Psalm 66) preist den Sieg und die Herrschaft Gottes über die Erde.
Er erweckt immer wieder die Natur zu neuem Leben. Er ließ auch seinen Sohn nicht im Tode, sondern hat ihn auferweckt. Er will auch uns Menschen erneuern zu einem Leben in der Nachfolge des Auferstandenen.

Kantate ( = Singet )
„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“. Nicht das alte Lied des Klagens und Weinens, das Lied der Angst und Not  soll unser Leben bestimmen, sondern das neue Lied, das Danklied der durch Christus Erlösten.
„Alt“ heißt hier also nicht Lieder aus den vergangenen Jahrhunderten  und  „neu“ Lieder aus unserer Zeit, es sind die Lieder, mit denen wir unseren Retter, unseren Heiland loben und preisen. In vielen Gemeinden ist dieser Sonntag der „Sonntag der Kirchenmusik“.

Rogate ( = Betet, Bittet )
Dem Singesonntag folgt der Betesonntag. Dieser Name entstammt nicht dem Eingangspsalm, sondern leitet sich her aus den Bittumgängen für die Ernte, die früher – bis in die 1960er Jahre - an diesem Tag gehalten wurden.
Mit Pferdegespannen fuhr man durch die Feldmark und begutachtete die Felder.
Bei einer besonderen „Hagelfeier“ – meist am 1. Mai – wurde um Gottes Segen für die Ernte, um Bewahrung vor Hagel und Ungewitter gebetet. Vom Sonntag Rogate  bis zum Erntedanktag wurde das Allgemeine Kirchengebet um den Zusatz erweitert: „Gib gedeihliche Witterung den Früchten auf dem Felde“ (oder auch ausführlicher). Geblieben ist von diesen Gebräuchen in unserer Region allenfalls eine entsprechende Bitte im Allgemeinen Kirchengebet; leider bekommt man sie nur selten zu hören, obwohl auch die neue Agende (Gottesdienstbuch von 2000) sie ausdrücklich vorsieht.
Ermahnung, aber auch Ermutigung zu Gebet und Fürbitte bestimmen den Charakter dieses Sonntags.

Christi Himmelfahrt.
In der frühen Kirche war das Gedächtnis der Himmelfahrt Christi zunächst eng mit der Osterfeier verbunden. Erst im 4. Jahrh. begann man damit, den 40. Tag nach Ostern entsprechend der Zeitangabe des Lukas (Apostelgeschichte
1, 3) als Tag der Himmelfahrt Christi zu begehen. Christus erscheint zum letzten Mal seinen Jüngern und kehrt zurück in Gottes Reich ( Himmel ), um allen Menschen nahe sein zu können. Himmelfahrt ist die Inthronisation Jesu, er ist nun der Herr und König der ganzen Welt – und doch zugleich unser Bruder, der uns jederzeit nahe ist als Heiland und Erlöser.
„Ich auch auf der tiefsten Stufen, ich will glauben, reden, rufen, ob ich schon noch Pilgrim bin: Jesus Christus herrscht als König, alles sei ihm untertänig; ehret, liebet, lobet ihn“  (EG 123,Vers 11).

 

Der Pfingstfestkreis

Das christliche Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes fand an einem jüdischen Fest, dem so genannten Wochenfest statt, das 50 Tage nach dem Passahfest gefeiert wurde. An diesem Tag wurden die ersten Gaben der neuen Ernte als Dankopfer dargebracht. Zugleich war dieses Fest der Erinnerung an den Bundesschluss Gottes mit dem Volk Israel am Berg Sinai gewidmet. In der christlichen Kirche wurde Pfingsten ursprünglich als Abschluss der fünfzigtägigen Osterzeit gefeiert. Der Name Pfingsten ist aus einem griechischen Wort entstanden, das den fünfzigsten Tag bedeutet. Mit Pfingsten endete also die österliche Freudenzeit. Die Feier eines selbständigen Pfingstfestes zur Erinnerung an die Ausgießung des Heiligen Geistes setzte sich in der christlichen Kirche erst im vierten Jahrhundert durch
In der Apostelgeschichte des Lukas wird im 2. Kapitel über das Pfingstgeschehen berichtet: "der Geist Gottes bewirkt, dass aus verzagten und mutlosen Jüngern mutige Zeugen des auferstandenen Christus werden".
So wurde Pfingsten immer mehr zum Fest des Heiligen Geistes, das gleichrangig neben Ostern und Weihnachten steht. Zugleich ist dieses Fest der Tag der Gründung der christlichen Kirche, der Geburtstag der Kirche. 3000 Zuhörer ließen sich  an jenem ersten  Pfingsttag taufen.

Die liturgische Farbe am Pfingstfest ist rot als Farbe des Pfingstfeuers. Ab dem Mittelalter gibt es auch Pfingstspiele zur Veranschaulichung des Pfingstwunders. In manchen alten Kirchen wird heute noch eine hölzerne Taube als Zeichen für die Gegenwart des Geistes durch eine Luke in den Altarraum herabgelassen. Seit der Taufe Jesu war die Taube Sinnbild für den Geist Gottes. Ebenfalls im Mittelalter begann sich besonderer Pfingstschmuck, die „Maien“, d.h. Birkenreiser im Altarraum einzubürgern. (Psalm 118, 27: „Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars“). Dieser Brauch hat sich auch in weiten Teilen der evangelischen Kirche erhalten (vgl. „Schmückt das Fest mit Maien“ EG, Nr. 135, ELKG, Nr. 107).

 Als Vorbereitungstag für das Pfingstfest gilt der Sonntag Exaudi („Höre“, nach Psalm 27,7: Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe). Er ist noch geprägt durch das Geschehen an Himmelfahrt, den Abschied Jesu, aber auch von dem Warten auf die Ausgießung des Geistes, die Jesus verheißen hatte. Weil Exaudi ursprünglich noch zur österlichen Freudenzeit gehörte, ist die liturgische Farbe weiß. Die Osterkerze brennt allerdings nicht mehr. 

An die Einheit von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, erinnert das im Mittelalter eingeführte Trinitatisfest, das auf Pfingsten folgt. Trinitatis ist der Genitiv von dem lateinischen Wort trinitas, in dem sich das Zahlwort "Drei" und lat. unitas = Einheit verbirgt, d.h. drei Personen in einem göttlichen Wesen. Dieses Fest gehört zu den sogenannten Ideenfesten, die keinem konkreten heilsgeschichtlichen Ereignis zugeordnet sind (wie z. B. Ostern), sondern ein bestimmtes Thema des christlichen Glaubens zum Gegenstand haben. Das Bedürfnis, das Glaubensgeheimnis der Dreieinigkeit Gottes zu feiern, reicht bis ins Altertum zurück. Es stand im engen Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Gottheit Christi. Im Jahr 1334 wurde das Fest von Papst Johannes XII. für die ganze Kirche verbindlich eingeführt und später auch von den Reformatoren beibehalten.

Durch seine jetzige Stellung im Kirchenjahr kann es als Zusammenfassung der heilsgeschichtlichen Ereignisse verstanden werden, die Gegenstand der großen Feste und Festzeiten des Kirchenjahres sind. Es setzt gleichsam den Schlusspunkt unter Weihnachten (Werk des Vaters), Ostern (Werk des Sohnes) und Pfingsten (Werk des Geistes).

Mit diesem Fest schließt die Reihe der großen christlichen Feste ab. Die liturgische Farbe ist weiß.

 

Die Trinitatiszeit 

Mit dem ersten Sonntag nach Trinitatis beginnt die lange Reihe der „Sonntage nach Trinitatis“. Je nach dem Ostertermin gibt es davon 22  bis 27, dem entsprechend mehr oder weniger Sonntage nach Epiphanias. Die katholische Kirche zählt übrigens die Sonntage nach dem Pfingstfest.

Inhaltlich entfaltet die Trinitatiszeit das Evangelium auf vielfältige Weise. An den ersten Sonntagen geht es mehr um das Wachsen der Kirche, ab dem 6. Sonntag nach Trinitatis um das Wachsen im Glauben im Leben des einzelnen Christen. Auch hier gilt wie in allen Lebensbereichen: Stillstand ist Rückgang. Dranbleiben ist lebensnotwendig.

Der 6. Sonntag n.Tr. erinnert uns an unsere Taufe, den Beginn unseres neuen Lebens als Kinder Gottes, der 7. Sonntag an das Heilige Abendmahl. Die drei letzten Sonntage im Kirchenjahr lenken unseren Blick auf das Ende, das Ende unseres persönlichen Lebens, das Ende dieser Welt, die Wiederkunft Christi und das neue Leben in seiner himmlischen Herrlichkeit.

Die liturgische Farbe der Trinitatiszeit ist grün, die Farbe der aufgehenden Saat, die Farbe des Wachsens.

Man hat die Trinitatiszeit oft die „festlose Zeit“ des Kirchenjahres genannt. Damit wird freilich verkannt, daß ja jeder Sonntag ein kleines Osterfest ist und dass das Geschenk des neuen österlichen Lebens überhaupt erst die Grundlage bildet für alle unsere Glaubens- und Lebensthemen.

 

In unserer Kirchenjahres-Übersicht sollen die sog. „Unbeweglichen Feste und Gedenktage der Kirche“ nicht vergessen werden. Je mehr die Kirche im Laufe ihrer Geschichte in die Fülle der Heiligen Schrift hineinwuchs, desto reicher wurde ihr Kirchenjahr. Zu den großen Christus- und Kirchenfesten traten weitere Feste und Gedenktage hinzu:

die drei Marientage: am 2. Februar die Darstellung Jesu im Tempel, auch „Lichtmess“ genannt nach der an diesem Tage stattfindenden Kerzenweihe und Lichterprozession. Dieses Fest zählt zu den Marienfesten auf Grund der Bemerkung im Lukas-Evangelium Kap. 2, Vers 22: „Da die Tage der Reinigung Marias nach dem Gesetz des Moses kamen…“.

Am 25. März  das Fest der Verkündigung Mariä, die Ankündigung der Geburt Christi durch den Engel Gabriel an Maria (Luk. 1, 26-38).

Am 2. Juli das Fest der Heimsuchung Mariä, die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, die als „Heimsuchung“ ein besonders beliebter Gegenstand künstlerischer Darstellung gewesen ist.  

Dazu kommen am 24. Juni der „Johannis -Tag“, der Tag der Geburt Johannes des Täufers und am 29. September das „Michaelis - Fest“, der Tag des Erzengels Michael und aller Engel.

Außerdem die Gedenktage der Apostel, der Evangelisten und der Märtyrer (z.B. am 29. Juni: Tag der Apostel Petrus und Paulus). 

Die drei „Marienfeste“ haben die Reformatoren -  von unbiblischen Zusätzen und Entstellungen gereinigt -  als Christusfeste gewertet und begangen. Ebenso taten sie es mit dem Tag des Täufers Johannes als des Vorläufers Christi und mit dem Tag Michaels und aller Engel als der Diener des Herrn. Alle diese Tage haben deshalb als Christusfeste die weiße liturgische Farbe.

Auch die evangelisch-lutherische Kirche ist keine geschichtslose Kirche, sie ist die Kirche der „Apostel und Propheten“ (Epheser 2, 20). Weil Christus diese zu Werkzeugen beim Bau seiner Gemeinde gemacht hat, hält sie das Gedächtnis an die Apostel und Evangelisten lebendig wie auch das Zeugnis der Märtyrer.

Leider sind die hierfür bestimmten Gedenktage heute weithin in Vergessenheit geraten. Wo sie noch oder wieder begangen werden, geschieht es nicht zum Ruhm von Menschen, vielmehr preist die Gemeinde an solchen Tagen besonders die Barmherzigkeit Gottes, der seine Kinder wunderbar führt und seine Kirche über alles Verstehen baut und erhält.

In die Reihe der Gedenktage gehören auch der 25. Juni, an dem die lutherische Kirche ihrer wichtigsten Bekenntnisschrift, der Augsburgischen Konfession (1530), und der 31. Oktober, an dem sie der Gnadentat Gottes in der Reformation (Luthers Thesenanschlag 1517) gedenkt.

Alle Gedenktage der Kirche haben als liturgische Farbe Rot. Diese Farbe versinnbildlicht das Feuer des Heiligen Geistes und das Blut der Zeugen Christi, der Märtyrer.